Griffith, ich werde es irgendwie vermissen
Ich (Janine) verließ am Donnerstag, 28.11. um nachts 02:15 schweren Herzen Griffith.
Auch wenn ich nie gedacht hätte, das mal zugeben zu müssen: mir ist das alles schon ans Herz gewachsen. Klar, nach fast 3 Monaten Arbeit freue ich mich auf meinen Urlaub. Bisher habe ich außer 3 Tage Sydney nichts von Australien gesehen außer die Wein-, Essen-und Agrikultur Hochburg Griffith. Dort habe ich 60 der 80 Tage mit Arbeit verbracht, die Fließbandarbeit bei Potato Magic hat mich geprägt: bei 5 Tage die Woche 8h Arbeit bleiben die Nacken-und Rückenschmerzen nicht aus, und um ehrlich zu sein war es halt echt ein mega langweiliger Job! Ich erinnere mich an viele Tage, an denen ich nach Hause gekommen bin ("nach Hause"... merkt ihr was? ich rede hier von schon "zu Hause"..), an denen ich ins Hostel gekommen bin und mich ins Bett gehauen habe, weil ich so fertig war, und bis abends geschlafen habe. Auch wenn es physisch nicht so anstrengend ist wie Feldarbeit, wird man psychisch total verrückt davon! Wir waren zwar immer zu viert, aber irgendwann hat man sich einfach alles erzählt! :-D
Doch dadurch habe ich meine Roommates Laura aus Köln, und die beiden Freundinnen Anna und Vivien aus Hamburg immer besser kennengelernt. Und wir haben auch echt lustige Stunden am Fließband verbracht mit Gymnastik, Gesang (deutsche Schlagerparty & Après Ski, Someone like you, Because of you, Please don't stop the music u.v.m.), wir haben dämliche Spiele gespielt, ewige Unterhaltungen geführt, die je besser man sich kannte immer tiefgründiger wurden... Man macht ja vieles wenn einem langweilig ist. Dadurch haben Laura, Vivien, Anna und ich uns aber auch so gut kennengelernt - bei 8h am Fließband am Tag hat man sich viel zu erzählen. Mit den 3 Mädels habe ich zusammen gewohnt, wir haben zusammen gearbeitet, meistens auch zusammen gegessen, unsere Freizeit zusammen verbracht - also fast 24 h am Tag zusammen verbracht. Auch wenn ich nicht immer mit ihnen unterwegs war und auch andere Freunde und Freundinnen hatte, ist es echt komisch, jetzt ohne sie weiterzuziehen.
| Ein Buschbrand ganz in usnerer Nähe, während wir arbeiten waren, haben wir somit voll verpasst |
Mit Lena und Eva (außen) bereise ich die Great Ocean Road, Anna und Maxi treffe ich wahrscheinlich zu Weihnachten spätestens wieder. :)
Letzter Samstagabend: 80er Jahre Party!!! Fast das ganze Hostel ging aus und so wurde es ein mega lustiger Abend, ich würde fast sagen, der beste Samstagabend bisher. Der Clou war ja noch, als ich einem, der 2,20$ brauchte um sich eine Packung Chips am Automaten kaufen zu können und aber nur einen 50$ Schein hatte, mit Kleingeld aushalf und dafür den Schein bekam. :D
Unser Supervisor (übersetzt man wohl am ehesten mit "Aufpasser" also der Vorgesetzte) Ricky war eine absolut liebenswerte Person!
Ich habe in Griffith nicht nur am Fließband gesessen und Chips gepackt; ich durfte auch Orangen und Knoblauch sortieren, putzen, Unkraut zupfen, Stäbe neben Orangenbäumchen stecken, einmal im Gemini (Club) arbeiten und mehrmals auf Jahrmärkten Essen und Tickets verkaufen... Ich bin ein echtes Farmergirl geworden, haha. Auch wenn die Jobs nicht so spannend klingen (und es auch nicht sind, die meisten) machen sie doch mit den richtigen Leuten Spaß. Meistens war es zudem auch echt warm, die lange Hose konnte fast immer im Backpack bleiben, und wir haben viele Stunden in der Sonne gelegen. Volleyball spielen, zusammen joggen gehen, Filme gucken, kochen und gemeinsames essen, Abende im Love Shack, Lachgas, Goon, Area, Geburtstage feiern, Kängurus, Emus, Opossums, Spinnen, und ein Waran; Cesars Launen, die ich bisher auf dem Blog ja verschwiegen habe - ich hatte auch nie ein Problem mit ihm, er mag Deutsche und vor allem deutsche Mädels, aber ich habe meinen eigenen Kopf und wenn ich denke, ich kann am Abend vor der Arbeit noch feiern gehen, dann mache ich es, einmal besuchte ich verbotenerweise ein anderes Haus, wo Leute aus dem Hostel wohnte und ging zu einer Party, deren Veranstalter Cesar nicht mochte, und das Beste war ja, dass er herausbekommen hat (fragt nicht wie), dass ich den Jungs empfohlen hatte, ins Globe Hostel in Griffith zu gehen und nicht hierher, weil ich gehört hatte, das sei besser. Fand er nicht so cool. Cesar ist ein Kontrollfreak und fühlt sich als absoluter Boss des Hostels.. Er ist es ja auch und spielt sich aber auch so auf. Aber trotzdem kann ich sagen, dass ich während meiner ganzen Zeit nie Probleme mit ihm hatte, ich habe trotz meiner manchmaligen Aufmüpfigkeit immer zusätzliche Jobs bekommen, wir wurden aus der Stadt abgeholt, wenn wir zu faul waren zu laufen und bekamen von ihm Geld, um Tütüs Zimmer zu dekorieren, als sie Geburtstag hatte.
Tütü ist die rechts, links ist Eva. Den Geburtstagskuchen haben wir nicht selbst gebacken, aber dafür selbst verziert. :)
Wie gesagt: Cesar ist gewöhnungsbedürftig, die Arbeit ist scheiße, das Hostel ist nicht das luxeriöseste, die Stadt ist keines Besuches wert - warum vermisse ich das Ganze dann trotzdem schon jetzt?
Vielleicht, weil man jeden kennt. Weil man mit allen sofort in Kontakt kommt und sich Gespräche entspinnen, weil keiner kontaktscheu ist oder nur für sich sein will, weil alle hilfsbereit und offen für neue Kontakte sind. Weil man sich nach 2.5 Monate gegenseitig kennt und vertraut, weil man so tolle, lustige, dumme Momente miteinander verbracht hat... Chillen am See, Joris, der betrunken im Pandakostüm in den Wald rennt und ein Känguru fangen will, Ciaran, der total auf One Direction steht, Hunger Games 1 im TV Room beim Mädelsabend, Hunger Games 2 im Kino, deutsche Süßigkeiten aus dem Paket von Oma genießen, Massagen, ein Abend am Aussichtspunkt, einschlafen im Love Shack, abwimmeln merkwürdiger Typen im Area, das "Eis danach" / Burger/Pommes... Bei McDonalds, BBQ, spanische Lieder singen mit den Chilenern, Gitarre, shoppen bei Big W, Coles, Woolworths, kochen lernen... Chili con Carne, Nudeln mit Bolognese/Pesto/Spinat-Rahmsoße, Nudelsalat, Gemüsepfannen mit Reis oder Süßkartoffeln, Wraps, Salate, Omlette mit verschiedensten Füllungen..Kuchen. Als ich ankam, war ich schon damit überfordert, Reis ohne Beutel zu kochen, und musste herumfragen, wie lange man einen Blumenkohl kocht. Jetzt könnte man mir ein paar Zutaten geben und ich könnte ein leckeres Abendessen draus zaubern. :)
Dadurch, dass ich so lange an einem Ort war, konnte ich mich einrichten, heimisch fühlen. Freunde finden. Ich freue mich, in Januar wiederzukommen. Am 20. Januar beginnt mein Job bei Casellas! Bis dahin heißt es aber erstmal Urlaub!!!! Melbourne mit Dominic, Moritz, Matze; Great Ocean Road mit Eva, Lena und deren Auto; 5 Tage Surfkurs südlich von Sydney; Weihnachten bis Silvester mit einem gemieteten Auto zusammen mit 4 Jungs aus Griffith Sydney und Byron Bay unsicher machen.... Das wird gut!
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Das war also Griffith.
Da unsere Ostküstentour nun wirklich ganz vorbei war, hieß es nun ab nach Griffith, es musste ja endlich mal Arbeit sein. Also schnappten wir uns am 7. November den Shuttle-Bus zum Flughafen Cairns.
7.15 Uhr begann das Check-In, das sich schwieriger herausstellte als geplant, als sowohl Moritz als auch ich die geplante Gewichtsobergrenze unseres Gepäcks von 20 kg mit 24,6 kg bzw. 26,9 kg überschritten. Die angekündigte Geldstrafe von insgesamt 250 $ wollten wir natürlich nicht bezahlen, und so war Umpacken angesagt. Da Matze als einziger noch ein bisschen Platz hatte, mein Handgepäck allerdings recht leicht war (Obergrenze 10 kg), bestand durchaus noch eine Chance, ohne zusätzliche Kosten davonzukommen.
Nach über einer halben Stunde Aus- und Einpackens mit zwischenzeitlichem Überprüfen des aktuellen Gewichts an einem leeren Check-In-Schalter hatten wir es geschafft. Wir gingen vorsichtshalber zu einer anderen Dame, und dann wurde es spannend:
Zuerst kam ich dran. Ich legte meinen großen Rucksack auf das Fließband mit eingebauter Waage. Ergebnis: 20,0 kg. Puuuh. Grade so. Dafür hatte auch ein volles Duschbad, diverse Deos und ein Paar Schuhe dran glauben müssen. Jedoch keine Bücher. :D
Danach folgte Moritz, was Matze nicht gefiel, denn, sollte sein Rucksack durch unser Zeug nun zu schwer sein, hätte er ja den Stress. Zu spät. Da Moritz nicht ganz sicher war, schaffte er es, den Rucksack so abzulegen, dass eine Seitentasche ganz leicht auf dem Seitenbalken lag und die Waage somit entlastete - um wie viel Kilo, werden wir wohl nie erfahren. Fakt ist: Ebenfalls 20,0 kg. Matze schluckte.
Nun war er also dran. Ganz vorsichtig legte er seinen Rucksack ab, uuuund... Erleichterung. 19,7 kg. Das war knapp! Wir wissen nicht genau, was die kleinen Rucksäcke jeweils wogen, doch Moritz hatte seinen nochmal draufgestellt, und es hieß 10,1 kg. Noch Fragen?
Das sollte jedoch nicht unser einziges Problem am Flughafen gewesen sein. Nachdem wir geduldig auf unseren Aufruf warteten, kam schon das nächste Problem: Alarm bei Moritz' Handgepäck. Doch zu schwer? Doch nicht von der Strafe verschont?
Der Mann hinter der Sicherheitsschleuse zog sich Handschuhe an und nahm sich Moritz' Gepäck vor. Es würde wahrscheinlich hochgefährliche Waffen enthalten. Tatsächlich! Er hatte die Nagelschere nicht umgepackt. Und so nahm er diese kleine Nagelschere aus dem Etui von Zangen, spitzen Pinzetten und scharfkantigen Feilen und ließ sie im Mülleimer verschwinden. Doch das war auch die einzige Konsequenz. Erneut Glück gehabt.
Gegen 9.15 Uhr ging es dann los, das Flugzeug der Domestic Airline TigerAirways hob ab. Die Sitzplätze waren etwas knapp bemessen, jeder Linienbus bietet mehr Beinfreiheit, doch es war günstig und innerhalb von 3 Stunden erreichten wir Sydney, und dann per Bus gegen 5.25 Uhr am nächsten Tag Griffith. Dort wurden wir von einem kleinen blonden Mädchen, das schon mehrfach auf unserem Blog genannt wurde und sich als Janine vorstellte, begrüßt. Sie war extra für uns aufgestanden und hatte uns sogar Baguettes gemacht. Nett, oder?
Nach anfänglichem Theater wurden wir in ein Haus gebracht, etwa 20 min Fußweg vom Stadtzentrum entfernt, in dem wir die nächsten Tage verbrachten. Gemeinsam mit einem Iren, einem Engländer, einem Franzosen und zwei Taiwanesen teilten wir uns dieses Haus mit großer Küche, sauberem Bad, Garten mit Hühnern und bequemem Sofa. Ein paar Tage darauf hatten wir das Interview bei Casella Wines, der Hauptgrund unseres eigentlichen Erscheinens in Griffith. Dann stand uns eine lange Woche aus Warten auf Jobs bevor, denn mehr konnten wir in solch einem Ort (wenn man keine Arbeit hat) ja nicht machen. Das einzige Sinnvolle, was wir taten, war, uns in einer Jobvermittlungsfirma anzumelden, die Interviews zu bestehen und nun Zugang zu Jobs in ganz Australien zu haben, es ist die größte ihrer Art in Australien. Wenigstens etwas.
Okay, immerhin konnten wir Janine mal wieder sehen, die wir ja nun seit Sydney nicht mehr gesehen hatten. Einmal besuchte sie uns sogar in unserem Haus, oder man traf sich das ein oder andere Mal in der Stadt. Eine gelungene Abwechslung auf jeden Fall.
Immer wieder munterte man uns auf, morgen gäbe es Jobs, doch dann lösten sich diese Angebote kurz vorher immer wieder in Luft auf. Eines Morgens weckte man uns und verkündete, wir würden in ein anderes Haus gebracht.
Das lag dann aber 1 h und 15 min Fußweg vom nächsten Supermarkt entfernt, und ohne Auto war das echt nicht nett. Einen Shuttle-Service gab es nämlich auch nicht. Und genauso wenig Bilder haben wir dort gemacht. :D
Die Ansage "Leute, macht euch auf Warten bereit, zur Zeit gibt es nicht viele Jobs" bewegte uns also dazu, Griffith wieder zu verlassen, weil wir in Griffith scheinbar nur hingehalten wurden, und von Woche zu Woche mehr Geld bezahlten, ohne ersichtliche Chancen auf Arbeit zu haben. Somit buchten wir das Zugticket nach Melbourne und fuhren am 21. November um 2.15 Uhr nachts ab.
Und Tschüss.









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