In der letzten Zeit haben wir herausgefunden, dass es scheinbar ein weit verbreitetes (mindestens australienweit) Problem der Blogverzögerung gibt. Viele Freunde, die wir hier unten getroffen haben und auch einen Blog schreiben, sind ebenfalls in Verzug oder es herrscht dort völlig Stille - Wir bitten das zu entschuldigen.
Der letzte Monat ist hier zwar relativ kurz gekommen, jedoch hat das auch einen Grund: Es ist eine Art Alltag in Melbourne eingekehrt. Und an Alltag schließt sich automatisch ein bisschen langweiligeres Zeug an, zumindest für einen Blog, der traumhafte Panoramen und Landschaften, spektakuläre Berichte, Grüße an alle Leser und Gruppenbilder von Janine gewohnt ist.
Trotzdem möchte ich das jetzt mal stichpunktartig ein bisschen nachholen, zumindest die Tage, die ein bisschen interessant bzw. blogrelevant sind.
Wenn ich mich recht erinnere, endete das letzte Kapitel in Griffith bzw. mit dem Abschied davon. Okay, ich gebe zu, da gibt es doch ein bisschen zu erzählen, immerhin war das der 21. November.
Die ersten Tage kamen wir im sogenannten "Oslo Hotel" unter, und so, wie der Name klingt, war es auch. Man tritt durch ein großes Tor ein, und kommt durch eine Haupttür direkt in ... Nein, ich kann es nicht Lobby nennen, das klingt zu hotelhaft ... in den Gemeinschaftsraum, dem sich direkt die offiziell von 10am bis 10pm besetzte Rezeption anschließt. Immer wenn wir irgendwas von der Rezeption wollten, war jedenfalls keiner da. Ein Fernsehraum, sogar relativ gemütlich, ein nach Bier stinkendes altes graues Stoffsofa waren also das erste, was man von diesem Hostel sah. Nun gut. Schön, bequem, gemütlich, kuschlig oder sauber ist anders. Aber egal.
Im Endeffekt sind wir jedoch in diesem Hostel einen ganzen Monat geblieben. Warum? Weil die Hostels in Melbourne preislich bei 30$ pro Nacht anfangen. Als wir dann eine Wochenrate von 175$ hörten - also 25$ pro Nacht für ein Vierbettzimmer - erschien das Oslo Hotel auf einmal in einem ganz anderen Licht, und auch die Küche, das Prunktstück des zuvor erwähnten Anblicks, wirkte plötzlich nicht mehr ganz so versifft.
Ein weiterer Vorteil: Wir wohnten in einem der wenigen Räume, die über einen Kühlschrank verfügten. Praktisch!
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| Der Eingang ins "Oslo Hotel" |
Das Fenster rechts neben der Tür ist übrigens gleich unser Zimmer... Entsprechend laut war es nachts, wenn sich alle davor trafen.
In den nächsten Tagen erkundeten wir das Strandviertel St Kilda, in dem wir wohnten. Etwa 20 Minuten Straßenbahnfahrt vom Zentrum entfernt, scheint dies Reichen- und Armenviertel zugleich zu sein, jedenfalls hat jeder dazu eine andere Meinung. Strände waren wir natürlich andere gewohnt, aber nichtsdestotrotz war es ein Strand, und damit schön.
| St Kilda Beach - Ein bisschen trübes Wetter, aber was soll's. |
Da um diese Zeit (ich spreche noch von Ende November) im Norden Australiens die Regenzeit beginnt, treibt es die Backpacker wie die Ameisen alle in den Süden, wo langsam der Sommer beginnt. Deshalb konnten wir uns auch mit einer Freundin treffen, Julia, die mit uns in Sydney angekommen war, und uns über Erlebnisse austauschen.
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| Chinatown |
Gleichzeitig hieß es auch: Job finden. Das war unsere Hoffnung hier in Melbourne. Die Chancen auf einen guten Job waren schwer einzuschätzen. Einerseits begann ja der Sommer und damit die Saison hier im Süden, gleichzeitig kamen aber wie gesagt auch alle hierher und die Semesterferien und arbeitswillige Studenten waren ja auch nicht zu vergessen. Wir konnten also nur auf unser Glück hoffen und gingen frohen Mutes in St Kilda unsere Lebensläufe verteilen.
So gelangte ich an eine Autovermietungsfirma, deren Besitzer David total nett war. Obwohl er mir von Anfang an sagte, er brauche kein Personal, gab er mir so viel Arbeit wie möglich, Autos aussaugen, saubermachen, etc.
Als zweitgrößte Stadt Australiens (4 Mio. Einwohner) war auch hier eine Filiale von "Australian Backpackers" zu finden, der Organisation, die Leuten wie uns beim Finden von Jobs helfen soll oder will. Wir gingen also immer mal wieder dort hin, fragten nach dem aktuellen Stand und ob denn etwas verfügbar sei. So gelangten wir auch an diverse Tagesjobs, die vorzugsweise Leute zum Ausräumen von Containern etc. erforderten.
Der 28. November war ja für einen von uns ein besonderer Tag. Die Freude, dass Moritz mal im Sommer Geburtstag hätte, kam jedoch zu früh, denn das Melbournesche Wetter machte da eiskalt sein eigenes Ding, Regen und Nebel inklusive ... November halt. Trotzdem haben wir unser Bestes gegeben, um ihm einen netten Tag zu machen. Wir haben ihn lange schlafen lassen(!), mal eben Janine aus Griffith eingeladen (das wusste er aber nicht), einen Maulwurfkuchen gemacht (Tradition zu seinem Geburtstag) und ihn abends in ein Schnitzelrestaurant eingeladen, mit anschließendem Casino-Besuch.
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| Maulwurfkuchen machen |
| Novemberwetter halt |
Die Zeit, die Janine noch in Melbourne war, wurde natürlich genutzt und wir haben verschiedenste Sehenswürdigkeiten besucht, so zum Beispiel den Eureka Skytower, von dem man aus 300 Metern Höhe auf die Stadt herabschauen konnte, den Federation Square, einen zentralen Sammelplatz, wir machten sogar einen dreistündigen Stadtrundgang mit Führung an den alten Verliesen vorbei, durch die Stadtparks, durch Graffiti-Gassen bis hin zum Ufer des Yarra Rivers.
Einmal hat mich Janine sogar zum Frühstück eingeladen, wir waren richtig fett Pancakes essen. Auch wenn meine Portion eher aussah, als sei es die Vorspeise zu Janines Essen (haben uns schon bisschen veralbert gefühlt), war es trotzdem echt lecker und ich möchte mich hiermit dafür nochmal bedanken.
Außerdem war Janine mit uns die Pinguine in St Kilda beobachten, die jeden Abend rauskommen, wir haben am Strand und im Wasser gechillt und Matze hat sogar Haare geschnitten bekommen, bevor sie mit ihren Mädels die Great Ocean Road Tour machte.
| Schokokuchen gekauft - Verfolgung aufgenommen. |
| Eines meiner absoluten Lieblingsbilder... |
Während Matze in der Zwischenzeit einen festen Job in einem Fish 'n Chips-Laden bekommen hatte, nutzten Moritz und ich die Gelegenheitsjobs aus, besonders bei der Umzugsfirma movin' office, bei der so einiges an Stunden zusammenkam.
Anfang Dezember gelangten wir auch in eine Reinigungsfirma namens ShowCleaners, die uns für das Stereosonic-Festival in Melbourne brauchte. Obwohl uns das Ganze am Anfang ein bisschen unseriös vorkam, stellte es sich als echt guten Job heraus, klar, es gibt schönere Arbeiten, aber die Bezahlung ist mit 20$ pro Stunde (Steuern schon abgezogen) echt nicht schlecht. So kam es also, dass Moritz und ich zwei Nachtschichen von 22.30 bis 8 Uhr morgens hatten, die jedoch dann auch einiges an Geld brachten. Bei diesen Schichten lernten wir auch Miriam, Chiara (beide aus Deutschland) und Thomas (Frankreich) kennen, und man kam nett ins Gespräch.
Und so verstrichen die Tage. Während in Deutschland alle vom Weihnachtsstress, aber auch der Stimmung erzählten, bekamen wir von all dem in Australien eigentlich nichts mit. Ja, die Stadt ist schon geschmückt, aber es ist halt anders.
Dieses Schwanken änderte sich, als uns Miriam, Chiara und Thomas fragten, ob wir mit ihnen in eine Wohnung ziehen würden, sie hätten eine gefunden. Die Vorstellung klang eigentlich ganz gut, und so sagten wir zu.
Am 22. Dezember war es dann soweit und wir verließen das Oslo Hotel. Wir bezogen unsere Zweiraumwohnung zu sechst mitten im Stadtzentrum Melbournes, 14. Stock. Vorteil der dann doch sehr kompakten Wohnung: ca. 67$ Wochenmiete für jeden - Ein Witz. Und es gefiel uns richtig gut. Ich für meinen Teil mochte diese Runde immer mehr, man tat auch was für's Englisch, schließlich hatten wir einen Franzosen, und wir hatten immer Spaß.
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| Ausblick bei Sonnenuntergang |
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| Wir haben jetzt einen Schrank! |
Wie wir unser Weihnachten verbracht haben, wisst ihr ja. Zwischen Weihnachten und Silvester waren wir einen Tag am Strand, ein paar Male in Museen und interessanten Ausstellungen, und genossen einfach die Zeit in Melbourne.
Am letzten Tag des Jahres hieß es dann, wie auch schon zu Weihnachten, anpassen, aber auch Traditionen wahren. So schauten wir uns Dinner for One an (Thomas, der Franzose, kannte es übrigens nicht) und gingen nach einem schönen Abendessen zuhause (hat schon Vorteile, die eigene Küche!) nach draußen.
In Australien darf man selbst keine Feuerwerkskörper kaufen, das übernimmt die Stadt alles. Zwischen 4 Millionen Menschen auf den Straßen des Stadtzentrums schob man sich... Obwohl... ließ man sich eher treiben zum Ufer des Yarra Rivers. Von dort konnte man das Feuerwerk beobachten, das dann um Mitternacht von den meisten Hochhäusern der Stadt gleich startete - für mich ein Anblick, den ich so schnell nicht vergessen werde.
Die Begrüßung des neuen Jahres ist uns also auch hier gelungen, und am ersten Tag des Jahres 2014 ging bei uns auch die ganze Wohnung um 9 Uhr morgens arbeiten, was manchen aufgrund des Alkoholspiegels des Vortages nicht soo gefiel.
Für mich bedeutete die Begrüßung des neuen Jahres gleichzeitig auch den Abschied aus Melbourne.
Am 2. Januar startete mein Flug nach Perth an der Westküste Australiens etwa 3.000 km von Melbourne entfernt, und inzwischen wohne ich in bei einer Gastfamilie. Hier werde ich die nächsten Monate leben und auf die kleine sechsjährige Tochter Tilly aufpassen. Die Familie ist sehr entspannt und cool drauf, und die Arbeitszeiten belaufen sich auf 20 bis 25 Stunden pro Woche, was für kostenlose Unterkunft, Verpflegung, unbegrenztes Internet, Nutzen des Autos, Pool und $100 pro Woche durchaus auszuhalten ist.
Ich bin ja nun erst zwei Tage hier, aber ich glaube doch, dass es mir hier sehr gut gefallen wird - mit der Familie komme ich zumindest echt gut klar. Besonders der Vater betont immer wieder, dass auch er mal Backpacker war (1991) und also Wert darauf legt, mich nicht zu fest zu binden und mir so viele Freiheiten wie möglich zu lassen, damit ich die Gegend erkunden und neue Freundschaften schließen kann. Das hatte ich so zwar nicht erwartet, aber cool ist es ja auf jeden Fall.
Gestern Abend lud mich der Gastvater ein, mit seinen englischen Kumpels - auch er selbst ist mit seiner Frau von England nach Australien ausgewandert - nochmal in die Stadt zu fahren. Ich hatte nun also einen Abend lang das Vergnügen, den verschiedensten englischen Akzenten zu lauschen, und obwohl sie mich eigentlich gar nicht kannten, behandelten sie mich, als wäre ich ein Freund aus Kindheitstagen. Eine wirklich lustige Runde.
Ich werde auf jeden Fall - sobald es etwas Neues geben sollte - mich hin und wieder hier melden.
Nochmal nachträglich Happy New Year an euch alle und viele Grüße aus Perth,
Wombat Nr. 2











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