Donnerstag, 26. September 2013

Keine Pläne mehr! :D

Jamboooo!

Hier melden sich mal wieder die drei Wombats 1, 2 und 4. Zugegeben, wir haben uns schon wieder eine Weile nicht gemeldet - das tut uns leid - allerdings war hier in diesem Waldcamp so gut wie kein Internet- oder Handyempfang, daher mussten wir unseren neuen Blogeintrag leider etwas verschieben. 

Erinnert ihr euch, wie froh wir waren, einen Plan bis Ende des Jahres zu haben? Vergesst es! :D

Spulen wir mal ein bisschen zurück. 

Verabschiedet haben wir uns mit dem Plan, Farmwork zu machen, Geld zu sparen, und dann unsere bereits gebuchte Ostküsten-Tour (ein Muss für jeden, der Australien besucht) zu machen. Hm. Bei unserer Ankunft war alles wie erwartet: Ähnlich wie bei Janine eine Art Abenteuercamp, direkt am Strand, Unterkunft in Bungalows. Soweit alles sauber und okay. 
Allein die zehnstündige Busfahrt hierher war die angenehmste überhaupt, einerseits hatte man immer was zu gucken: Entweder fuhr man direkt am Meer entlang, oder durch kleine Städtchen. Andererseits hatte jeder von uns zwei Plätze für sich alleine, man konnte auch mal für eine Busfahrt entspannt schlafen. 
Nach einer kurzen Führung durchs Camp gingen wir noch einmal zum Strand und versuchten, auf einem Grill Nudeln zu kochen (Wir waren uns allerdings einig, dass wir alle noch nie so scheiße schmeckende Nudeln gegessen hatten! :D). Schließlich gingen dann enttäuscht zu Bett, nachdem uns ein netter Holländer am Lagerfeuer noch über die im Camp lebenden Tiere aufklärte - Spinnen, Schlangen und Kakerlaken, die man mit einer Doppelwende der Matratze wohl am besten loswerden sollte. Am Abend zuvor sollte ein Mädchen wohl vorm Schlafen 15 Kakerlaken aus dem Zimmer vertrieben haben. Wir blieben dennoch von all dem verschont. :D

unser wunderhübscher Bungalow

Strand direkt am Surf Camp

gemeinsames "Nudeln" kochen


Camp Panorama

Känguru! :D

Am nächsten Tag trafen wir uns um 7.30 Uhr nach dem Frühstück mit Campleiter Dan, der uns kurz erklärte, worum es überhaupt ging, was zu tun war und wie dieses Programm ablaufen würde. Blueberry Picking also. Ich hatte im Internet gelesen, dass das stündlich bezahlt sein soll, auch wenn wir nicht zu viel Geld davon erwarteten.
Außerdem erklärte man uns, dass wir in dieser Woche quasi fit gemacht werden würden, um Blaubeeren zu pflücken, und wir dann am Ende der Woche (Freitag) eine Art Test absolvieren müssten, dessen Ergebnis je nach Qualität und Schnelligkeit ausfallen würde, der aber angeblich hinfällig sei, weil wir ja sowieso übernommen werden würden. Verstanden? :D
Jedenfalls herrschte allgemeine Verwirrung, trotzdem waren wir interessiert, wie es auf einer solchen Farm wohl aussehen würde. 
Nach einigen kurzen Einkäufen (das Trauma der Nudeln sollte an diesem Abend möglichst mit etwas Essbarem ausgeglichen werden) besuchten wir nun also die Blaubeerfarm. Unser Surfcamp lag schon im Nirgendwo, aber die Farm war noch dahinter, glaubt mir. Man wies uns kurz ein, welche Blaubeeren man pflücken sollte. Ein Satz, der in jeder Reihe immer wieder spöttisch wiederholt, also entsprechend oft vom Farmer und seiner Frau gesagt zu werden schien, hat sich fest in unsere Köpfe eingebrannt. "Don't drop the green ones, don't pick the red ones!" - Zu Deutsch also: "Lasst die grünen Beeren nicht fallen, und pflückt nicht die roten!"
Nach dieser Einweisung schickte man uns in die endlosen Reihen gepflanzter Blaubeersträucher, mit einem Eimer um den Bauch gebunden. Den ersten Tag nur 3 Stunden. Trainig halt. 
Gegen Mittag wurden wir also wieder abgeholt, und ich hatte mit Matze gepflückt. Wir beide hatten ganze vier Eimer geschafft, also pro Eimer etwa 45 Minuten. Der Ehrgeiz, schneller zu sein als der andere, hatte uns auch nicht trödeln lassen. 
Schließlich traute sich dann doch jemand zu fragen, was man denn bei diesem Job so verdiente. Ehrlich gesagt waren wir uns einig, dass dieser Job abgesehen von der brütenden Hitze, die uns mit herannahendem Sommer blühte, kein besonders anstrengender war, er machte sogar irgendwie Spaß. 
Doch der Job verlor seine Attraktivität ganz plötzlich durch Dans Aussage, man bekomme pro Eimer 5 $. Das bedeutete, Matthias und ich hatten einen Stundenlohn von etwas über 6 $ erreicht - selbst zusammen schafften wir nichtmal den australischen Mindestlohn. Ziemlich schockiert fuhren wir wieder zurück zum Camp.






An diesem Programm nahmen insgesamt zehn Personen teil - wir waren die ersten, die es testen sollten, also eine Art Proberunde. Diese zehn Leute setzten sich wie folgt zusammen: Moritz, Matthias und ich sind schonmal drei. Mit uns fuhr Timo, er war zusammen mit Matze angereist und ihm gefiel das Programm an sich auch, also kam er mit. Außerdem waren da noch vier Mädels, Laura, Linh, Nadine und Jessica, die zufällig Sören und Aaron kannten, weil sie im gleichen Ort wohnten. Unsere Freunde Sören und Aaron solltet ihr doch kennen, nicht? Sie waren mit Moritz und mir zusammen angereist, und die ersten Tage im gleichen Zimmer. Auf Anhieb hatten wir uns super verstanden, und hatten viele lustige Abende in Sydney. 
Die letzten beiden waren ein englisches Pärchen, etwas älter als wir. 

Gleich am ersten Tag waren die Mädels so empört über die Bezahlung, dass diese den Bus nach Byron Bay buchten und am zweiten Tag, statt mit auf die Farm zu kommen, Lauras Geburtstag feierten. Wir Jungs waren skeptisch. Der eigentliche Zweck, nämlich Geld zu sparen, würde hier wohl nur schwer erfüllt werden. Nach einem kurzen Gespräch mit Dan ermutigte dieser uns jedoch, dass wir sicher besser werden würden, und man doch den ein oder anderen Dollar sparen könnte. Damit hatte er ja auch Recht, man ist ja nicht sofort Experte. Also ging es am nächsten Tag wieder in die Blaubeerplantage, und jeder schnappte sich einen Eimer, los ging es. Training halt.

Diesmal pflückte ich mit Moritz, und wir fingen an, ein bisschen herumzurechnen. Ergebnis: Wir müssen uns erstmal erheblich verbessern (ich war an diesem Tag übrigens langsamer als am Tag zuvor), also statt 45 min pro Eimer etwa 30 min, damit wir überhaupt Unterkunft und Essen bezahlen konnten. Wo man da noch etwas sparen sollte, wusste niemand. Auch der Australier nicht, den wir beim Abendessen getroffen hatten (haben uns selbst Burger gemacht, Mann, die haben die Nudeln aber sowas von wettgemacht!). Er war zutiefst schockiert und riet uns, sofort auszusteigen. 

Hatte ich erwähnt, dass unser intensiv begleitetes einwöchiges Traning nicht bezahlt wurde? Als uns dann noch angekündigt wurde, dass wir am nächsten Tag bei erwarteten 36 Grad einen vollen Tag unbezahlt arbeiten sollten, riss uns der Geduldsfaden, und auch wir vier Jungs beschlossen, auszusteigen. Mehr als Ausbeute sahen wir darin leider nicht mehr. 
Gott sei Dank konnte man mit Programmleiter Dan darüber reden, und er verstand uns auch. Schließlich buchten wir denselben Bus wie die Mädels nach Byron Bay. 

Am Dienstag Abend wurde noch Lauras Geburtstag gefeiert, und am nächsten Tag checkten wir aus und chillten uns bei den vorrausgesagten Temperaturen an den Strand - wie es sich für Australien gehört. Anschließend stiegen wir in den Greyhound Bus und verließen wohl mit mehr Freunde als Trauer das Spot X Surf Camp. 

An dieser Stelle sei noch einmal gesagt, dass es uns trotzdem gut geht und wir keine schlechten Erfahrungen oder sonstiges gemacht haben. Wir glauben, dass dieses Programm sehr gut dafür geeignet ist, um Leuten ihr zweites Visum für ein Jahr in Australien zu ermöglichen (dafür sind drei Monate Farmarbeit vorzuweisen). Wenn man alles von Australien gesehen hat und ein weiteres Jahr dranhängen will, ist Blaubeeren pflücken und eine Unterkunft direkt am Strand wohl die angenehmste Möglichkeit, dieses Visum zu bekommen. Für uns - Reisende, die noch alles sehen und dafür sparen wollen - ist es jedoch nichts. Das hätte man uns vorher wahrscheinlich sagen sollen. Es spricht wohl für sich, dass, wenn acht von zehn Teilnehmern nach drei Tagen wieder abreisen, an der Beschreibung des Programms wohl irgendetwas nicht gestimmt haben kann. 

Matthias, Moritz und ich sind uns jetzt jedenfalls einig, dass wir unsere gebuchte Ostküstentour durchziehen, in der Hinsicht hat es sogar etwas Positives, dass wir jetzt gehen, weil wir dann in jedem Fall die Regenzeit im Norden Australiens umgehen. 

Somit führte es uns zum nächsten Stopp, Byron Bay, einem beliebten Strandort etwas nördlicher als Coffs Harbour und Spot X. Hier checkten wir nach etwa zweieinhalb Stunden Busfahrt in das Aquarius Motel ein, eine Unterkunft, die wir uns vorher nicht wirklich angeschaut, sondern einfach den vier Mädels nachgebucht hatten. Umso überraschter waren wir, als wir hier ankamen. Das beste Hostel, in dem wir bis jetzt waren. Alles sauber, ein großer, geräumiger Gemeinschaftsraum mit Billard-Tisch, eine riesige Küche, in der man auch wirklich mal was kochen konnte, ohne Angst vor Salmonellen oder einer anderen Keiminfektion haben zu müssen, weiche Matratzen in einem Acht-Bett-Zimmer, pro Zimmer ein eigenes Bad und... Ein großer Pool im Hinterhof. Der Strand ist auch ganz in der Nähe. Es ist Wahnsinn. Und für einen Preis von 20 $ pro Nacht ist es mit die günstigste Unterkunft, in der wir bis jetzt übernachtet haben. 
Das bedeutet: Wir bereuen eigentlich so gar nicht, dass wir Spot X verlassen haben. Alles ist gut.

Nach der Ankündigung von Dominic: "Morgen machen wir ruhig und schlafen erstmal aus.", war ich (Moritz) am nächsten Morgen halb zehn der einzige, der noch im Bett lag ... So viel dazu. :D
Nach dem "Ausschlafen" und dem anschließenden Chillen ging es dann nochmal durch den Ort und zum Strand.









Also, Zusammenfassung:

Wenn man einige Tage mit Surfern in Australien in Kontakt ist, dann kommt man mit der deutschen Mentalität des "Weit-Voraus-Planens" nicht weit. Hier lebt jeder seinen Tag und lässt sich überraschen, was folgt. Dem werden wir uns wohl oder übel anpassen müssen - auch wenn es vielleicht etwas schwerfällt: Pläne ändern sich hier immer. 

Deshalb ärgern wir uns hier nicht rum, dass wir wieder (speziell Moritz und ich) keinen Job haben, sondern genießen einfach die Zeit. Hier gibt es nämlich unglaublich viel zu genießen. :)

Eure Wombats 1, 2 und 4. 

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