Nun war es also soweit. Das Ereignis, wovon jeder Backpacker, der sie schon besucht hatte, geschwärmt hat. Die Reise, die für manche der Auslöser ist, überhaupt nach Australien zu fliegen, stand uns nun bevor: Die Whitsunday Islands.
Hintergrundinformationen: Die Whitsunday Islands sind an sich keine Inseln, sondern Spitzen eines Unterwassergebirges des Great Barrier Reefs. Ihren Namen verdanken sie Captain James Cook, der ihre Schönheit wohl als erster Europäer betrachten durfte. Voller Kreativität nannte er sie dem aktuellen Wochentag entsprechend - Fail, denn eigentlich war Montag. Die Inselgruppe besteht aus insgesamt 74 Inseln. Die größte, Whitsunday Island, beherbergt den berühmten Whitehaven Beach - dazu später mehr.
Zuallererst galt es, nach Airlie Beach, einem kleinen Hafenort, von dem aus unser Segelschiff startete, zu gelangen. Mit dem bekannten Greyhound kein Problem, nur lag nun die größte Entfernung zwischen zwei Orten unserer Tour vor uns: knapp 900 km. Also wurde eine Nachtfahrt gebucht, 8.55 pm einsteigen und 9.05 am aussteigen. Glücklicherweise war der Bus recht leer, sodass wir alle wieder zwei Sitze für uns hatten, und sogar unsere Beine noch zu den Sitzen auf der anderen Seite ausstrecken konnten. Trotzdem gibt es angenehmere Arten zu übernachten... Egal.
Angekommen in Airlie Beach, winkte man bereits mit einem kleinen Schild, auf welchem das Logo unseres Hostels aufgedruckt war. Obwohl ich mich nicht erinnern konnte, dem Hostel mitgeteilt zu haben, wann wir ankommen würden (hab im Nachhinein nochmal nachgeschaut, hatte tatsächlich Bescheid gegeben :D), waren wir ziemlich froh, einen Pick-up-Service zu haben, gerade mit Moritz' und meinem Rucksack... Von wegen! Die gute Frau war zu Fuß da und wollte uns nur den Weg zeigen. Na immerhin.
Im Hostel angekommen, durften wir vorerst nur unser Gepäck abstellen, zum Einchecken war es noch zu früh. Die größte Last jedoch losgeworden, beschlossen wir, erstmal zu frühstücken und uns dann den Ort anzuschauen.
Airlie Beach ist an sich ein sehr kleines Örtchen. Im Prinzip besteht es aus einer Straße mit unmittelbarer Nähe zum Strand, an der sich die Souvenirshops nur so tummeln. Ein kleiner Supermarkt, McDonald's, unzählige Reisebüros, fertig. Das galt es natürlich alles zu erkunden, und nachdem sich Matze mit Australien-Handtuch und -Badehose ausgestattet und auch ich in eine neue Badehose investiert hatte, ging es zum Strand und zum Reisebüro. Dort wollten wir die am nächsten Tag startende Reise nochmal bestätigen, und es galt einiges an Papierkram zu erledigen. Keine Angst, keinen deutschen Papierkram. Ein, zwei Unterschriften, fertig.
Endlich konnten wir in unser Zimmer - Acht-Bett, mit Bad und Klimaanlage. Da uns das W-Lan im Hostel selbst zu teuer war, gingen wir in eins der Travel-Büros. Deren Taktik ist es, geizige und internetsüchtige junge Leute mit kostenlosem Internet anzulocken und denen dann irgendwelche Reisen zu verkaufen. Klappt echt gut, muss man sagen... So. Plötzlich war es Abend, und wir kehrten ins Hostel zurück, noch schnell Zeug zusammengepackt und einen Film geschaut. Gute Nacht.
Am nächsten Morgen standen wir gegen halb neun auf. Mit ausreichend Wasser im Supermarkt eingedeckt, dann waren wir bereit für das bevorstehende Abenteuer. Vom deutsch-australischen Pünktlichkeitskonflikt hatten wir ja bereits berichtet. Treff: 1.45 pm. Nichts passierte. Gegen 2 Uhr trafen noch einige ein, und zwischen 2.45 und 3 Uhr kam dann ein Mitglied der Crew und begann mit den Vorbereitungen (Tickets einsammeln,...) - unfassbar.
Doch jetzt ging es endlich los. Insgesamt vier Crew-Mitglieder begleiteten die 32 neugierigen und gespannten Reisenden die nächsten drei Tage auf der "New Horizon". Der Captain, ein Koch und zwei andere, die eigentlich so ziemlich alles machten. Nach ersten Sicherheitsanweisungen...
Hintergrundinformation: Die Gegend nördlich Fraser Islands gilt als unsicher, was das sorglose Baden im Meer betrifft. Haie, Stechrochen und Krokodile schwimmen teilweise sehr strandnah, und auch die Quallensaison beginnt jetzt. Da die Berührung einer Würfelqualle tödlich enden kann, geht es ab jetzt nur noch mit so genannten Stinger Suits, Anzügen aus Gummi, oder an Stränden, die durch Netze geschützt sind, ins Wasser.
... Bezogen wir unsere Kajüten. Nun ja. Ich formuliere es mal so. Wir verstehen jetzt, wie sich Sardinen in einer Büchse fühlen. Acht Leute schliefen in einem Raum, Matze und ich durften uns sogar ein etwas größeres Bett teilen. Theoretisch gab es sogar nur eine Decke, doch das ging dann doch zu weit und ich suchte mir zwei Bettlaken.
Ein Sprungbrett vom Boot wurde aufgebaut, und zum ersten Mal hatte man die Möglichkeit, ins türkiesblaue Wasser einzutauchen. Anschließend gab es Abendbrot, Fisch mit Kartoffelbrei. Echt lecker! Sogar das Siegel von Fischexperte Matze gab es da. Und das muss man erstmal bekommen. Zum Sonnenuntergang vom Meer aus muss ich, denke ich, nicht viel sagen, ein Bild reicht da.
Der Skipper machte sich nicht wirklich beliebt, als er sich am nächsten Morgen 6.30 Uhr in die Kajüten schlich und ein Stimmvolumen entwickelte, um das ihn Opernsänger wohl beneiden würden. Acht Köpfe schnellten aus den Betten nach oben und schauten den über beide Ohren grinsenden, Sonnenbrille tragenden Mann an, halb verdutzt, halb mit Hass erfüllt. Also schleppte man sich zum Frühstück (Müsli, Toast, Obstsalat,... Echt reichhaltig!) - das Schiff hatte schon volle Fahrt Richtung Whitsunday Island aufgenommen. Mit einem kleinen Schlauchboot brachte man uns zur Insel.
Ein berühmter Aussichtspunkt sollte 15 Minuten Bushwalk entfernt sein, der besagte Whitehaven Beach nochmal 10. Die australischen Buschwanderungen sollte man sich nicht unbedingt mit Lianen, Regenwald und Riesenfarnen vorstellen. Stattdessen sieht es aus wie ein Weg durch den heimischen Mischwald - nur dass hier halt von überall etwas kommen und dich killen könnte. Mitten im Wald hielt man plötzlich an und zeigte auf einen Baum, an dessen Blättern gelblich-grüne Ameisen entlangliefen. Einer fing eine solche Ameise und biss den Hintern, der im Verhältnis zur winzigen Ameise wie ein großer Sack, den sie hinter sich herschleppte, aussah, ab. Grinsend schaut er die erstaunten Gesichter an und sagte: "Das schmeckt wie Zitrone!"
Jedenfalls kamen wir dann am Aussichtspunkt an. Schaut es euch bitte einfach selbst an.
Gott sei Dank hatte uns die Crew vorher vom Paradiesstrand erzählt, der noch auf uns wartete, ansonsten wäre es wohl schwierig geworden, sich von diesem Anblick zu trennen. Und plötzlich standen wir da. Die Füße fühlen sich an, wie als würden sie in Watte stehen, nicht in Sand, und genauso weiß war der Strand auch. Vom grünen Wald trat man nun auf reinen, weißen Sand, und sah vor sich das strahlend blaue Meer. Wie angewurzelt stand man da, baff, dass so ein Ort wirklich existierte, und nicht nur durch Bildbearbeitung erschaffen wurde. Mehr oder weniger elegant schlüpfte man in den Quallenschutz und sprang ins Meer. Es war warm, und vor allem so klar, dass man seine Füße auch dann noch sehen konnte, wenn man bis zur Brust im Wasser stand.
Der Whitehaven Beach auf Whitsunday Islands ist der feinste Strand der Whitsunday Islands, einer der schönsten Australiens und gleichzeitig auch der Welt. Sein Sand besteht zu 97,5 % aus reinem Silicium und wurde früher verwendet, um Glas herzustellen.
Falls ich noch nicht ausreichend verdeutlicht habe, wie fein und weich der Sand ist: Wir haben damit ein Peeling gemacht, uns die Haare gewaschen und uns die Zähne geputzt, ohne dass am Ende noch lästiger Sand überall zu finden war. Außer vielleicht bei Matze, aber der Sand kommt noch vom Sandboarding auf Moreton Island.
Zurück auf dem Boot, hatte man uns schon das Mittagessen vorbereitet: Sandwiches und Wraps. Man erklärte uns, das sei noch lange nicht alles gewesen. Jetzt ging es nach zur Blue Pearl Bay, einem bekannten Ort zum Schnorcheln.
Vorsorglich haben wir uns natürlich mit einer Unterwasserkamera ausgerüstet - Die Bilder stecken jedoch noch in der Entwicklung und deshalb werden wir diese später nachreichen.
Etwa eine Stunde erkundeten wir einen winzigen Teil des Great Barrier Reefs, das Stück, das Elvis sein Zuhause nannte. Wer Elvis nicht kennt: Elvis ist ein ziemlich großer Fisch, der seit über 15 Jahren an dieser Stelle des Riffs lebt. Bekannt ist er vor allem dadurch, dass er nicht wie die anderen Fische vor den Tauchern flieht, sondern sich von diesen berühren, umarmen, ziehen, schubsen und sich sogar mit ihnen fotografieren lässt. Bilder folgen wie gesagt.
...
Am Abend gab es eine Riesenportion Spaghetti Bolognese, und die 32-Mann starke Gruppe feierte und lachte noch eine ganze Weile, bevor dann um Mitternacht die Lichter ausgingen. Warum?
Damit am nächsten Morgen die liebliche Stimme des Skippers um 6.30 Uhr wieder ertönen konnte. Ich war schon wach und konnte also beobachten, wie er sich in die Kajüte schlich, sich möglichst zentral in den Raum stellte, tief Luft holte und grinsend mit lauter Stimme die Betten der noch schlafenden erzittern ließ. Ihm schien das echt Spaß zu machen... Dieser Mistkriebel. :D
Also von Neuem reichhaltiges Frühstück, es stand uns ein actionreicher Morgen bevor. Das Sprungbrett wurde ausgefahren, vom Dach des Bootes wurde eine riesige Wasserrutsche ausgeblasen, Kajaks und Paddel standen zur Verfügung, sowie ein weiterer Schnorchelausflug. Einmal wach, probierte man natürlich alles mal aus, und das zweite Riff war so farbenfroh und belebt, dass mir eingefallen ist, dass ich unbedingt mal wieder "Findet Nemo" schauen muss... Einfach zum Vergleich, und um eine Liste zu machen, welche Fische ich davon schon gesehen habe.
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| unsere britischen Freunde aus Liverpool Amy & Melissa |
Und dann war es schonwieder soweit... Man nahm mit Hilfe von Captain Moritz Kurs auf Airlie Beach, den wir kurz nach Mittag erreichten. Die Crew verabschiedete sich herzlich von uns und auch wir bedankten uns für die wunderschönen, unvergesslichen Tage.
Im Reisebüro erschlichen wir uns mal wieder Internet, und buchten dann noch zwei bereits ins Auge gefasste Touren in Cairns, nämlich eine Schnorchel- und Tauchtour und eine Regenwaldtour sowie unsere Reise zu den Interviews der Weinernte. Wie gesagt... Dieses Konzept mit dem gratis Internet ist genial, wenn auch für uns unvorteilhaft.
Zurück im Hostel hieß es dann zusammenpacken, am nächsten Morgen fuhr der Bus um 9 Uhr ab. Nächste Station: Townsville.
Bis bald,
Eure Wombats 1, 2 und 4.
PS: Sorry, aber wer nach diesem Blogpost nicht neidisch ist, wird es spätestens in den nächsten Tagen ... Versprochen! :P







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